als ob

Täuschung ist das erste Gesetz der Kunst. Mit Fülle von Leben kann man
den Tod selbst lebendig machen und Steine in Menschen verwandeln.
Johann Jakob Wilhelm Heinse, um 1775
 
 
Nicola Rubinstein reagiert auf die Phänomene jener Zwischenwelt, in der Natur
durch Kultur und Technik verändert wird. Statt Blumen findet sie gläserne Nachbildungen und Kunstgras, statt Seen Schwimmbecken, statt natürlicher
Oberflächen technische und handwerkliche Strukturen und Ornamente, da sind wirkliche Pflanzen, die künstlich scheinen, und künstliche, die die Raffinesse ihres Scheins zur Schau tragen. Imitat, Surrogat, Attrappe, ...? – Ersatz scheint angesagt. Das Thema des "Als-ob" mit seinem Radius von Lüge, Spiel, Imagination und Traum ergibt sich wie von selbst.

Mit dem Sucher der Kamera fixiert Nicola Rubinstein die Erscheinungen wie unterm Vergrößerungsglas, die Bilder scheinen ihre Begrenzung zu sprengen. Das Zusammengesetzte, Verfremdete und Trügerische unserer Welt-Wahrnehmung wird vorgeführt. Als "Flaneur mit souveränem Blick" und "als vorbildlicher Betrachter" (Boris Groys über die Künstler-Fotografen) hat Nicola Rubinstein die Wandlungsmöglichkeit und gegensätzliche Beschaffenheit ihrer Motive herausgefiltert. Der Kontrast von Davor und Dahinter, das Nebeneinander von Artifiziellem, Zivilisiertem und scheinbar planlos Wucherndem, Organoidem stellt Gewissheiten in Frage, entlarvt, erheitert, bereichert.

Nicola Rubinstein entdeckt im Alltag die Poesie zufälliger, unprätentiöser Motive, baut mit ihnen Bilderrätsel, die das Vergnügen der Einbildung und unsere Phantasie wecken. Wasser, Licht und Luft und zuweilen halluzinogene Farben – hier dominiert der Blick der Malerin – tun das ihre und lassen Lebendiges erstarrt und tote Materie belebt erscheinen.

Gabi Ivan