Augenblicke der Dauer

Nicola Rubinstein sucht nicht eigentlich, sie findet. Seit längerem kultiviert sie einen ausgeprägten Blick für Strukturen: Rasterungen, Stoffmuster, Wegeführungen – der ästhetische Reiz dieser Anordnungen kann auch tiefere Einblicke eröffnen und Aufschlüsse über das diesen Oberflächen Zugrundeliegende ermöglichen. Ihre Ausschnitte aus der sichtbaren Wirklichkeit verselbständigen sich und gerinnen zu eigenen Bildwirklichkeiten.

Damit wird sie nicht nur in ihrer gewohnten Umgebung fündig, sondern vor allem auch auf Reisen: Mittelamerika, Israel, Indien - die geographischen Orte liegen weit auseinander, und doch schafft sie mit ihrer fotografischen Handschrift ein Gemeinsames bei aller Differenz in den Motiven. Als Schülerin von Manfred Paul bevorzugt Nicola Rubinstein das Vollformat. Ihre Arbeiten werden nur selten nachbearbeitet, d.h. die Ausschnitte sind grundsätzlich Bildfindung. Der Farbe kommt dabei eine entscheidende Rolle zu.

Nicola Rubinstein, die immer schon eine Vorliebe für Blautöne hatte, zeigt in dieser Ausstellung ein Bildspektrum, das um das Motiv des Wassers kreist. Kühles Meerblau dominiert und bildet doch stets nur den Rahmen für die jeweilige Bildinszenierung. Nicht Natur an sich, sondern die Spuren zivilisatorischen Handelns bilden die Motive - seltsam verlassene Orte, die der fotografische Blick in einen neuen Bedeutungszusammenhang überführt.

Annette Dorgerloh