Dr. Gaby Ivan
Kunstwissenschaftlerin, Leiterin der Galerie am Prater,
Berlin, 1998

Text zur Ausstellung von Gunda Oelmann, Fotografie
fragmenté - composé - illuminé


Aus der Fotodokumentation ihrer Arbeiten als Textilrestauratorin entwickelte sich Gunda Oelmanns eigenständige Beschäftigung mit Fotografie. In ihren Aufnahmen verleiht sie den textilen Objekten ein assoziationsreiches Eigenleben, von phantastischen Faltengebirgen bis zu "hautnahen" erotischen Motiven.

Gunda Oelmanns Fotografien vermitteln ihre eigene Faszination von der Sinnlichkeit gewebter Materialien, die manch einer im Alltag kaum mehr wahrnimmt.
Sie präsentiert die wunderbare Stofflichkeit und Eleganz alter und neuer Gewebe, die sich samtig schimmernd oder seidig glänzend ausbreiten oder zu farblich raffinierten Strukturen zusammenrücken. Hinzu kommt die räumliche, lebendige Wirkung von Raffungen und Rüschen, Schluchten, Falten, Nähten und Säumen.

Gunda Oelmann komponiert ihren Gegenstand bewußt, auch unter Einbeziehung des Zufalls, aber nicht vordergründig, und mit veristisch anmutendem Sinn für das Detail. Fragmentiert, aus nahezu mikroskopischem Blickwinkel, setzt sie Stoffe und Kostüme ins Bild, denen sie sich nicht selten - bei aller Ausschnitthaftigkeit - mit porträthaftem Impetus nähert. Diese extreme Nahsicht und ein nahezu erbarmungsloses oder auch verzauberndes Licht eröffnen den Blick in eine fremdartig erscheinende, sinneberauschende Welt. Sie offenbart sich als eine Art kosmischer Farbraum, manchmal schrill, leuchtend, verführerisch, in den Glamourfarben der Großstadt oder in funkelnder Festlichkeit.

Die Riesenformate einiger dieser Stoffporträts, -organismen und -landschaften in den Maßen 173 x 113 cm scheinen den Betrachter selbst zu umhüllen bzw. ihn in ihre Traumwelt zu entführen oder gar einzuverleihen.