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Ausdruck und Form Martin Coldens bildnerische Dialektik von Matheos Pontikos Vergegenwärtigt man sich die mediale Vielfalt der Arbeit Martin Coldens, so darf man ihn getrost einen künstlerischen Universalisten nennen. Ungewöhnlich für die gegenwärtige Kunstszene ist jedoch, daß jedes Medium nicht zweckentfremdet, sondern mit der ihm jeweils eigenen Charakteristik zum Einsatz kommt. Den Raum erschließt sich der Künstler in der Installation, stofflich werden die Dinge in der Plastik oder im Objekt dargeboten, Gegenständlichkeit wird eher der Zeichnung und Graphik eingeräumt, wirklich abbildlich darf nur die Fotografie sein. Der Malerei aber ist der Farbdiskurs vorbehalten. Gewiß - es gibt hin und wieder transitorische Momente zu beobachten, wie etwa wenn ein Lichtbild abstrakte Qualitäten erhält oder wenn im Gemälde auch mal ein Menschenhaupt auftaucht, ansonsten scheint jedoch ein Ausschließlichkeitsprinzip zu herrschen. Colden besitzt ein geradezu skrupulöses Bewußtsein, über das, was in einem Medium geboten erscheint. Man wollte dem gerne eine wissenschaftlich oder historisch begründbare Notwendigkeit attestieren, aber etwas Derartiges existiert nicht. Vernachlässigt man Sammler, Kuratoren etc., so bliebe festzustellen, daß allein die Vorlieben und Idiosynkrasien des Künstlers heute maßgeblich sind. Trotz des breiten medialen Zugriffs kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Colden in der Hauptsache der Ölmalerei verpflichtet ist. Stilistisch wären seine Bilder in die Nachfolge des abstrakten Expressionismus einzuordnen. Manch eines von ihnen ist jedoch selbst Skulptur, in dem Sinne, daß es die pure Materialität der Farbe der Retina offeriert. Gerne würde die Hand des Rezipienten am Erlebnis teilhaben, aber dies ist ihr aus Gründen der Konvention untersagt. Ein wenig nostalgisch hört man den Künstler über die großen Malereiepochen der Vergangenheit sinnieren: der Weg zur Figuration scheint verbaut zu sein. Die ephemere Abbildungswut unserer Zeit lastet schwer auf dem Gewissen visueller Sensibilität. Wie kann man Bilder erzeugen, die nicht nur als Informationsträger fungieren, die be-trachtet und nicht bloß gesehen werden, die Essenzen und nicht Akzidenzien sind? Und wie steht es mit dem Verhältnis der genannten Stofflichkeit zum hohen Anspruch der Kunst, am Geistigen teilzuhaben? Ungeklärt bleibt bislang, ob Mark Rothkos schwarze Bilder das Drama des menschlichen Lebens versinnbildlichen oder ob sie "bloß" Formprobleme abhandeln. Die Unterscheidung zwischen Form- und Sachinhalten durch die Kunstwissenschaft war von Anfang an ein Unfug. Nur Leichtsinnige aber würden behaupten, daß bauliche Proportionen etwa rein ästhetische Angelegenheiten seien. Sie geben Auskunft über die Kultur, die sie hervorgebracht hat. Musikalische und architektonische Begriffe wie Konstruktion, Komposition, Modulation, Rhythmus bezeichnen Coldens Arbeit besser als jedwelche andere. In sich und untereinander erzeugen seine Bilder Farbklänge. Es ist natürlich kein Zufall, daß er davon spricht, daß sie manchmal im Entstehungsstadium "zu laut" seien, und daß etwas "zurückgenommen" werden müsse. Expressivität alterniert mit Anti-Expressivität. Was "ruhig" daherkommt, ist das Ergebnis eines äußerst komplexen Läuterungsprozesses von Energien, die mit sehr viel Kunstsinn diszipliniert worden sind. Gelegentlich schwillt das Farbcrescendo mächtig an, dann wieder wird es gedrosselt. Allemal wird Ordnung - durch Linie, Punkt und Fläche - gestiftet. Farbe gerät selbst semi-transparent, oder sie verselbständigt sich auf durchsichtigem Grund. Manches muß schlechterdings übermalt werden - oft mit Weiß -, so als wäre der Maler sein eigener raffinierter Ikonoklast. Und da ist immer wieder die Schrift, Bild und Zeichen zugleich. Hier hat niemand indiskret sein Innerstes entblättert, nichtsdestotrotz spricht alles von dem spezifischen Temperament des Künstlers. Wollen Coldens Bilder auch keine Fenster zur Welt sein, so sind sie dennoch Zeugnisse einer Welt-Anschauung - in der ureigensten Bedeutung des Wortes. Matheos Pontikos - - - - - - - - - - - - Kontakt: Matheos Pontikos, Kunsthistoriker Spenerstraße 9 10557 Berlin Tel./Fax 030-393 51 09 matheos.pontikos at gmail.com |
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